Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Eine Geschichte übers Erwachsenwerden. Eine Geschichte über Leben, Tod, über Freundschaft, Reife und nicht zuletzt über die Liebe. Von einem sogenannten Jugendbuch hätte ich keine solche Komplexität erwartet. In üppiger Sprache schildert es eine eigentlich reduzierte Geschichte. Der Bettlerjunge Krabat träumt von einer Mühle als Lehrbetrieb. Er kommt dort an und freut sich über die Möglichkeiten, die sich ihm eröffnen. Er wird in die Zauberschule aufgenommen, lernt dort, dass alles seinen Preis hat. Er verliert Kameraden, verliebt sich in ein Mädchen. Die Herzensverbindung siegt über das Böse. Allerdings - und das ist das einzig Gewöhnungsbedürftige an Preusslers Buch - tut sie dies auf den letzten zehn Seiten. Ich fühlte mich geradezu aus der Szene herausgeworfen. Doch auch für dieses Buch gilt: Ich werde es meinen Neffen vorlesen und bin gespannt, wie es ihnen damit ergeht.


 

Heute ist der erste Januar, ein ganzes Jahr liegt vor mir, 365 Tage voller Möglichkeiten. 2016 habe ich jede Woche ein Buch gelesen und darüber geschrieben. Das war eine ausgezeichnete Erfahrung. Gleichzeitig waren die Texte dadurch auch sehr gebunden. Dieses Jahr möchte ich experimentieren können. Darum befasse ich mich mit besonderen Feiertagen, mit Schöpfungen kreativer Geister, die beispielsweise der Toilette einen eigenen Tag gewidmet haben. Zum ersten Januar, überhaupt zum Jahresbeginn gehört für mich die Dankbarkeit. Denn nur weil es mir so gut geht, ich ein Zuhause, einen Partner, eine Arbeit habe, kann ich noch von so vielem träumen. Dem entgegen findet der offizielle Tag der Dankbarkeit im letzten Jahresdrittel statt. Parallel zum ebenfalls am 21. September begangenen Internationalen Tag des Friedens beziehungsweise dem Weltfriedenstag greift dieser Aktionstag den Gedanken auf, dass man seinen Mitmenschen – egal ob Individuen oder Gruppen – zeigen soll, wofür man dankbar ist. Zum einen die Dinner-Party eines führenden UN-Abgeordneten auf Hawaii am 21. September 1965, auf der die (internationalen) Gäste dazu aufgefordert wurden bzw. – je nachdem welche Quelle man konsultiert – selbst beschlossen, dass es eine hervorragende Idee sei, einen Tag des Jahres dafür zu nutzen, um seine Dankbarkeit für die schönen Dinge dieser Welt zu zeigen. In Folge dieser Veranstaltung griffen viele der anwesenden Gäste diesen Gedanken auf und initiierten in ihren Heimatländern am 21. September 1966 den ersten World Gratitude Day. So zumindest die informelle Gründungsgeschichte dieses Aktionstages. Doch davon lasse ich mich nicht abhalten: Ich bedanke mich heute beim Universum für das Glück meines Lebens.


 

Schaue ich aus dem Fenster zeigt sich die Welt weissgrau. Das bedeutet neben den Strassen zaubert Väterchen Frost Eiskristalle auf Wiesen und Bäume. Schon anzusehen so lange man sich in wohliger Wärme aufhält. So geniesse ich es, mich unter der Decke auf dem Sofa zu verkriechen. Eine schöne Form um den Tag des Kuschelns nachzufeiern, den man am 6. Januar hätte begehen können. Und damit ich ganz sicher fit werde für den "Verwirkliche-Deine-Träume-Tag" der kommenden Woche stehe ich jede Stunde einmal auf, gehe ins Büro meines Mannes und kuschle eine Portion mit ihm.


 

Dazu eine Szene aus meinem Schriftstellerinnen-Gehirn:

Sie sass an Deck eines Schiffes und genoss es, sich die Sonne auf den Rücken scheinen zu lassen. Zwei Wochen lang würde sie es sich auf dem Meer gutgehen lassen. Plötzlich bemerkte sie, dass sie beobachtet wurde. Ein kleiner Junge schien sich sehr für sie zu interessieren. Lena lächelte ihn an, doch dann öffnete sie ihr Buch und vertiefte sich in eine Geschichte Astrid Lindgrens. "Ich kenn den", hörte sie eine Kinderstimme und hob den Blick. Der neugierige Junge stand nun vor ihrer Nase und tippte mit den Fingern auf die Michelgestalt des Buchumschlags. "Ist da die Geschichte von der Suppe drin?" Lena nickte schmunzelnd. "Kannst Du mir die bitte vorlesen?" Flink war der Junge auf Bank neben Lena geklettert und sah sie erwartungsvoll an. Lena musste lachen. "Ja das kann ich." Sie schlug das Kapitel auf und begann. Kaum sass die Familie der Geschichte um den Esstisch hatten weitere Kinder bei Lena Platz genommen. Als Michel sich vor dem Arzt verbeugte und so die Suppenschüssel auf seinem Kopf loswurde, lachte ein stattliches Publikum. Lena war glücklich.