Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Halbzeit im Jahr der Frauen. Die Portrait-Reihe hat meinen Blick geschult - in allen Berufssparten suche ich nach weiblichen Vertreterinnen. Ich freue mich, wenn ich sie finde. Doch spüre ich oft, welch negativen Beigeschmack das Wort Gleichberechtigung bei seiner Nutzung hat. Das ist sehr schade, denn wahre Gleichberechtigung eröffnet Chancen für alle Beteiligten. Auf jeden Fall bleibe ich wachsam und in Bewegung...

 

Das gilt auch für die Buchbesprechungen, die ich jede Woche online stelle. Die Werke für die kommenden Rezensionen habe ich schon ausgesucht, wie man hier sehr schön sehen kann...

 

 

 

Konsalik hatte ich in meinem Kopf unter Schnulzenautor abgelegt. Obwohl das Einzige, was ich je von ihm gelesen hatte eine Zwillingsverwechselgeschichte in Jugendjahren war. "Natascha" ist keine Schnulze, es ist die Lebensgeschichte einer Frau in der ehemaligen Sowjetunion. Sie verliebt sich in einen Soldaten, den sie durch den Krieg verliert. Doch hat sie von da an in Luka, der ihrem Mann versprach auf sie aufzupassen, einen Freund fürs Leben. Er begleitet Natascha ebenso, als diese sich entschliesst, Rebellin in den Sümpfen zu werden wie durch ihre Ausbildung zur Opernsängerin. Die Geschichte ist mir als Abbild einer anderen Kultur fremd geblieben. Das mag auch an der etwas altmodischen Sprache liegen. Ich wusste gar nicht, dass Konsalik bereits 1921 geboren wurde. Das Buch ist ein Lehrstück, ein "Gut, dass ichs gelesen habe", aber ein zweites Mal werde ich mich kaum damit beschäftigen.


 

Ehrlich gesagt: Ich weiss nicht, ob ich das Buch verstanden habe. Ich versuche einfach, zusammenzufassen, was mir wichtig scheint. Zwei Sprachforscher haben sich während eines Seminars kennengelernt. Sie bleiben in Kontakt und als Vargas auf eine literarische Besonderheit stösst, bittet er Jonas um Hilfe. Dieser reist ihm nach physisch und forschungstechnisch. Doch die Ergebnisse scheinen ihn verrückt werden zu lassen. Es wirkt als würde die Frage, ob der Mensch jenseits der eigenen Biologie Leben erschaffen kann, sich nach Erfüllung gegen ihn wenden. Die Angaben zu Frankenstein oder Pinocchio finde ich spannend, doch um diesen literaturhistorischen Fragen nachzugehen fehlt es mir an Forschergeist.


 

Ein spannendes Buch, nicht zuletzt deshalb, weil es in mir den Wunsch nach Widerspruch auslöst. Das fängt beim Titel an: Ein begabtes Kind. Die beschriebenen Erlebnisse auf dem Weg des Erwachsenwerdens sind bei allen Kindern möglich. Wird die Entwicklung bei Sohn oder Tochter nicht akzeptiert, werden die Nachkommen den Eltern entgegenkommen und einen Teil von sich leugnen. Diese Lügen würden das zwischenmenschliche Verhalten der jungen Erwachsenen beeinflussen, es sei denn man folge den eigenen Bedürfnissen therapeutisch noch einmal bis zum Kern. Ich glaube nicht daran, dass irgendeine Mutter ihr Kind komplett in Freiheit grossziehen kann. Eine Macke wurde mindestens weitergegeben. Darum ist auch die Frage nach der eigenen Entwicklung, eine Frage, die in jedem Alter mit sich selbst zu klären ist. "Das Drama des begabten Kindes" ist historisch faszinierend, was die Psychologie betrifft, ist es mir fremd geblieben.