Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

"Oh als Frank und ich frisch verliebt waren, hat er mir jede Woche einen Liebesbrief geschrieben, wenn er auf Montage war." Schwärmerisch blickte Margrit gegen den Himmel. Susanna nickte gedankenverloren. "Roberte hat mich in seinem ersten Liebesbrief als Engel auf Erden beschrieben. Haar aus flüssigen Sonnenstrahlen, Augen wie Edelsteine und Lippen süsser als die süssesten Kirschen." Lisa hörte ihren Arbeitskolleginnen lächelnd zu wie sie sich ihre Mittagspause mit Erinnerungen verschönten. "Und heute weiss ich nicht mal, ob er morgens merkt, wenn ich zur Arbeit gehe", grummelte Margrit. Wieder nickte Susanna. "Ich weiss nicht, wann er das letzte Mal 'Ich liebe dich' gesagt hat." Lisa griff mit der rechten Hand in die Hosentasche und fühlte das Papier. "Kuss und en Guete". Das Herz der 60jährigen klopfte, ganz und gar lebendig.


 

In 80 Tagen um die Welt hiess die Geschichte nach Jules Verne, wie sie im Sandmännchen der 80er Jahre gezeigt wurde. Ich weiss nicht mehr, ob es Marionetten oder Handpuppen waren, aber an die Faszination für das Figurentheater kann ich mich noch gut erinnern. Ebenso daran, dass Phileas Fogg und sein Diener Jean Passepartout nie ohne Hut unterwegs waren. Stete Höflichkeit und gepflegte Sprache im Umgang mit allen neuen Bekanntschaften sind mir im Ohr geblieben. Explosionen, Fluchten oder Flüche kamen hingegen nicht vor - wären zum Einschlafen ja auch irgendwie ungeeignet. Ich beschliesse das Original auf meine Leseliste zu setzen. Wer weiss, vielleicht birgt es auch heute noch schöne Träume für mich - wie die Sandmännchen-Adaption in Jugendjahren.


 

Bei allen Kindern gibt es eine Phase, die ich gerne die Frage-Phase nenne: Mama warum regnet es? Warum weiss der Käfer wo er zu Hause ist? Warum verstehen die Menschen nicht, was ihre Hunde bellen? Oft wird es den Erwachsenen irgendwann zu viel. Dann würgen die einen jegliche Diskussion mit "darum" ab, während die anderen hoffen ihre Kinder mit haarsträubenden Erfindungen zufrieden zu stellen. Meine Mutter begegnete meiner Frage-Phase viel einfacher und ehrlicher. Wenn ich sie auf unseren Spaziergängen löcherte, antwortete sie irgendwann: "Das weiss ich auch nicht mein Schatz, aber wenn wir zu Hause sind, können wir ja nachschlagen." So empfand ich meine Neugier nie als Last sondern immer als Ansporn auf der Suche nach Wissen. Aus Lexika, Wörterbüchern und Romanen heraus wurde es in meiner persönlichen Welt lebendig.


 

Wo stehst du gerade? Bist du glücklich? Oder gibt es etwas, das du verändern solltest? Die Fragen klingen durchaus vernünftig. Doch ich finde schon die erste schwierig. Wo steht man? In der Gesundheit? Im Beruf? In der Beziehung? Hinsichtlich der Freunde? Die persönliche Situation setzt sich doch aus verschiedenen Teilen zusammen. Und ist man in einem Bereich unzufrieden, heisst das tatsächlich, dass man unglücklich ist? Ich glaube ein einziger Tag würde mir keine Klarheit für mein Leben bringen. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mich mit weniger angenehmen Aspekten oft erst auseinander setze, wenn mich das Leben zwingt. Vielleicht sollte man mit einem Freund oder einer Freundin regelmässig "Evaluier-dein-Leben-Tage" einplanen. Dafür wäre der 19. Oktober sicher ein gutes Datum.