Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

"Und warum ist der Wagen stehengeblieben?" "Das weiss ich ehrlich gesagt nicht. Der Mechaniker hat auf meine Frage nur immer wieder geantwortet: "An der Batterie lags nicht und jetzt läuft er wieder." "Das ist aber keine Antwort", bemerkte Oliver. "Schatz ich rufe kurz in der Werkstatt an." "Okay, bis nachher." Knapp zehn Minuten später klingelte das Telefon. Lena hob ab. "Die Zündkabel waren defekt. Da muss sich ein Dachs dran zu schaffen gemacht haben." "Das konnte er mir nicht sagen." Jetzt war Lena betroffen. "Ich glaube, der spricht nicht gerne mit Frauen", versuchte ihr Mann sie zu besänftigen. "Und das in einem Dienstleistungsjob?" "Ich sage nicht, dass er recht hat. Den Herrn müssen wir einfach ein bisschen erziehen, bis er weiss, was Gleichberechtigung bedeutet." "Du meinst, bis er mein Recht auf eine Antwort umzusetzen weiss?" "Genau das. Keine Sorge, das kriegen wir hin." Lena hoffte darauf


 

"Warum?" Mit dieser Frage muss ich meine Mutter manchmal an den Rand der Verzweiflung getrieben haben. Aber es gibt doch auch so viel, dass einem nie jemand freiwillig erklärt. Warum kriecht der Käfer die Strasse entlang statt zu fliegen? Warum muss ich abends ins Bett obwohl es draussen noch hell ist? Warum ändert ein Regenbogen ständig seinen Standort, bevor ich den Goldtopf an seinem Ende finden konnte? Warum haben nicht alle Menschen eine American Express Karte, wenn sie doch dann mit ihrem guten Namen bezahlen könnten? Zu meinem Glück war meine Mutter eine intelligente Frau. Gingen ihr selbst die Antworten aus, sagte sie: "Das weiss ich nicht, das müssen wir zu Hause miteinander im Lexikon nachschlagen." Was wir dann auch taten. Ich erinnere mich daran, wie sich die grossen, schweren Bertelsmann Lexika anfühlten. Ich fand es unglaublich, was darin alles geschrieben stand. Meine Liebe zu Büchern hat in diesem Ritual seinen Ursprung. Und ich führe die Tradition fort, wenn ich heute keine Antwort auf eine mir gestellte "Warum?-Frage" finde. Denn "Warum?-Fragen" wollen beantwortet werden. Wer weiss, welche Errungenschaften ich so an eine kommende Generation weitergeben kann...


 

Als ich klein war, habe ich mich immer gewundert, wie der Samichlaus es schaffen soll, an einem Abend zu allen Kindern auf der Welt zu kommen. Glücklicherweise hatte ich eine schlaue Mutter. Sie erklärte seine Gabe mit der Unterstützung aller Eltern. Nun versuche ich mir vorzustellen, was das für den Weltglückstag bedeuten würde. Wenn jeder für einen anderen etwas tun würde, was diesen glücklich macht. Die Einkäufe hochtragen helfen, das abendliche Kochen übernehmen, Blumen vor die Haustüre legen, Kaffeekochen im Büro - es gäbe eine Million Kleinigkeiten. Die Frage ist, ob wir wirklich bereit sind, uns fürs Glück des Gegenübers einzusetzen? Oder ob wir insgeheim auf die Lobeshymne für unsere Tat warten? Ich weiss es nicht. Aber vielleicht lässt sich die Fortpflanzung des Glücks üben. Schliesslich hatte der Samichlaus auch für jeden eine Aufgabe in seinem Buch notiert. Etwas an dem wir das ganze Jahr über üben konnten. Warum soll sich Glück dann auf einen Tag beschränken?


 

Mein liebstes Kinderbuch? Keine Ahnung - wer möchte sich da auf einen Titel oder Autorin beschränken? Heidi war sehr aktuell Anfang der 80er, aber auch Pumuckl, Michel aus Lönneberga, Hanni und Nanni oder Samira haben mich begleitet. Heidi habe ich übrigens als Erwachsene noch einmal selbst gelesen. Ich war fasziniert von der liebevollen Sprache und unzähligen bildhaften Details. Ich glaube ältere Generationen sollten sich ruhig einmal mit den literarischen Helden der Jugend auseinandersetzen. Harry Potter ist beispielsweise keiner meiner persönlichen Freunde geworden. Aber Lesen und Vorlesen schaffen Raum für Entdeckungsreisen jenseits der Altersgrenze. Literatur kann Menschen verbinden. Wenn wir die Buchstaben zum Leben erwecken - für uns und unsere Kinder