Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Gunvor hat schon mit vier Jahren die grossen Hits von Abba oder Udo Jürgens zu imitieren. Mit 13 Jahren hat sie angefangen zu steppen und wurde nur wenige Jahre später Schweizermeisterin in mehreren Sparten. Sie spielte in Musicals wie "Hair" oder "Storm". Die künstlerische Biographie der heute 44jährigen liest sich beeindruckend. Googelt man jedoch ihren Namen findet sich viel Pseudo-Privates in Boulevardmedien. Trennungen, eine Fehlgeburt, finanzielle Schwierigkeiten sind plakativ dargestellt. Ich denke Katastrophen gibt es in jedem Leben, schön finde ich, dass Gunvor versucht Musik als Konstante in ihrem Leben zu pflegen. Mit "Der kleine Mats" hat sie dafür eine neue Plattform geschaffen. Das wäre eine differenzierte Schlagzeile wert.


 

Ein Freund machte mich auf das Werk der Sängerin aufmerksam. Gunvor war mir zuvor nicht bekannt. Weil der Titel mir aber gefiel, nahm ich Kontakt mit dem Management auf. So erfuhr ich, dass hinter "Der kleine Mats" kein klassisches Kinderbuch sondern viel mehr ein Musical steht. Darüber zu schreiben schien mir im ersten Moment vermessen. Doch Gunvor schickte mir Libretto und Musik. Ich liess mich auf das Experiment mit mir selbst ein. "Der kleine Mats" erzählt von der Abenteuerreise dreier Freunde: Mats, Yogi und Anna. Sie machen sich gemeinsam auf Schatzsuche und lernen währenddessen Weggefährten wie Käpt'n Sehund, Papagei Elias oder das Seeungeheuer kennen. Die Entdeckung der Freundschaft als grösstem Schatz ist nicht neu. Doch Gunvor hat dieses Wissen vielseitig umgesetzt. Die Geschichte vorgelesen bekommen, der CD lauschen, selbst mitsingen und durchs Ausmalen mitgestalten - "Der kleine Mats" ist ein multimediales Erlebnis für Kinder ab drei Jahren. Und wenn Erwachsene genau lesen oder gut zuhören, werden ihnen witzige Details auffallen. Denn wer sich trotz Schatzkarte verläuft, kann schon mal sein Handy vermissen. Vielleicht würde ihnen plötzlich ein Einhorn Google Maps ersetzen...


 

In Lukas Hartmanns Roman «GloriaFuria und die schlimme Marie» ist Wut ein zentrales Thema. Ich habe mir darum Gedanken gemacht, in welchen Situationen Kinder in Rage geraten können. Die Schule schien mir naheliegend – und so nahm ich mit einer Lehrerin Kontakt auf, die seit über 30 Jahren unterrichtet. Sie bat mich, das Interview in anonymisierter Form zu Papier zu bringen. Erst sträubte ich mich dagegen. Doch beim Schreiben überlegte ich, ob es vielleicht auf diese Weise für Leserinnen und Leser leichter wird, sich Gedanken über die eigene Wut zu machen. Einfach weiterlesen und ausprobieren…
 
Wie würden Sie Wut beschreiben?
Ein intensiver Gefühlsmoment, wenn einem die Worte ausgehen. Eine Frustration, die überkocht und dem Kind oder dem Erwachsenen richtiggehend über den Kopf wächst. Sei es, weil man sich nicht verstanden, ignoriert oder gar ungerecht behandelt fühlt.

Wie erleben Sie die Situation in der Schule?
Richtige Wutanfälle mit Türenknallen, um sich schlagen oder gar Gegenstände werfen, kommen in der Schule sehr selten vor. Ich denke, das geschieht viel mehr zu Hause, wo sich dann die Eltern damit auseinandersetzen müssen.
 
Thematisieren Sie Gefühle wie die Wut dennoch im Unterricht?
Auf jeden Fall. Wut ist eine Energie. Wen man lernt, diese zu lenken, kann man sie nutzen. Genau das zeigen Geschichten wie «Linda zähmt den Tiger» oder «Robbi regt sich auf». Wir beschränken uns aber nicht auf Wut. Es geht ebenso um Glück oder Traurigkeit. Die Verschiedenartigkeit, mit der die Menschen ihre Gefühle zeigen. Gerade haben wir mit einer Gruppe Gesichtsausdrücke im Spiegel beobachtet. Auf diesem Weg lässt sich Fremd- und Eigenwahrnehmung üben. Gefühle spielen immer wieder eine Rolle.