Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Halbzeit im Jahr der Frauen. Die Portrait-Reihe hat meinen Blick geschult - in allen Berufssparten suche ich nach weiblichen Vertreterinnen. Ich freue mich, wenn ich sie finde. Doch spüre ich oft, welch negativen Beigeschmack das Wort Gleichberechtigung bei seiner Nutzung hat. Das ist sehr schade, denn wahre Gleichberechtigung eröffnet Chancen für alle Beteiligten. Auf jeden Fall bleibe ich wachsam und in Bewegung...

 

Das gilt auch für die Buchbesprechungen, die ich jede Woche online stelle. Die Werke für die kommenden Rezensionen habe ich schon ausgesucht, wie man hier sehr schön sehen kann...

 

 

 

Inhaltlich gesehen habe ich selten ein so schreckliches Buch gelesen. In den 12 Kurzgeschichten versammeln sich Ignoranz, Krankheit, Tod, Lüge, Eifersucht und Gleichgültigkeit. So überwältigend, dass der positive Schluss von "Fürsorge" beinahe unter geht. Jones kranke Frau darf nach Hause und gemeinsam betreten sie die hellerleuchteten Räume. Die Heldin in "Ufer" träumt von der Rückkehr ihres Geliebten. Doch die Geschichten hinterlassen mich ebenso düster wie ratlos. An der Sprache gibt es nichts zu meckern. Sie ist gewählt ohne gestelzt zu sein. Trotzdem die traurige Schwere würde ich kein zweites Mal in Kauf nehmen.


 

Drei Frauen in drei verschiedenen Zeitaltern oder müsste ich sagen Realitäten? Schriftstellerin Amelia Spencer kämpft 1888 mit einer Geschichte. Soll sich die Heldin Eleanor aus Gram über verpasste Liebeschancen das Leben nehmen? Und wenn nicht? Wie könnte das Werk stattdessen enden? Des Rätsels Lösung bringt ihr, zumindest was das Buch betrifft, ein Faun. Dieser motiviert sie, ihr Leben mal ganz anders anzupacken. Studentin Anna bringt die Begegnung mit dem Faun im Museum weniger. Sie setzt sich mit dem Verlauf einer Freundschaft auseinander. Oder lebte sie, ohne sich dessen wahrhaft bewusst zu sein, mit Rakel in einer Beziehung? Das Buch ist gut geschrieben, doch erschliesst sich mir nie ganz, was die Autorin ihren Lesern mitzugeben versucht. "Der Faun" wirkt wie ein literarisches Experiment ohne Schlussfolgerung. Einmal lesen und dem nächsten Neugierigen zur Verfügung stellen...


 

Das Buch ist das einzige, von dem ich wusste: Ich habe es schon mal gelesen. Aber ausser dem Bild der lustigen Alten, die mit 75 Jahren Filmstar wurde, ist mir nicht viel geblieben. Das Lesen erwies sich als Geschenk. Lotti Huber, 1912 als Tochter grossbürgerlicher jüdischer Eltern in Kiel geboren, schafft es ihre Lebensgeschichte als Perlenkette der Begegnungen zu beschreiben. Farbenfroh, üppig, matt und glänzend - ihre Schilderungen machen Mut, das eigene Leben anzupacken. Und Lust darauf, mehr von Lotti Huber zu lesen.