Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Als Kind fürchtete sich Melanie Oesch bei Waldspaziergängen manchmal vor den mächtigen Wurzelwerken alter Bäume. Also erfand sie mit Unterstützung ihrer Grosseltern kleine Wesen, kleine Bewohner derselben. Die Baumzwerge von damals inspirierten die Sängerin von heute zu ihrem ersten Kinderbuch. Die eigentliche Hauptrolle darin spielt jedoch nicht Elin - es ist die Natur. Tiere, Bäume, Blumen und was das Leben im Wald seinen Besuchern sonst noch alles zu bieten hat. Elin ist die Vermittlerin, beim Spielen mit den Menschen bringt sie ihnen die Natur ganz selbstverständlich näher. Doch irgendwann macht die Hektik der Zivilisation die Menschen auf dem Herzen blind. Eine Krankheit, die erst einmal überhand nimmt, bevor Elin und ihre Freundin, die Waldohreule Berta, sich ein Heilmittel einfallen lassen. Jetzt, während ich das Buch beim Schreiben noch einmal durchblättere, fällt mir auf, dass es eigentlich für Erwachsene ist. Denn Kinder selbst haben eine angeborene Neugier. Ob auf dem Land oder in der Stadt - sie können stundenlang Ameisen beobachten oder über das Wachsen der Blumen philosophieren. Also müssen oder besser dürfen wir Erwachsene uns diese Zeit mit ihnen nehmen. Auf dass die Herzblindheit aussterben möge.


 

Wie ist es als Sekretärin eines Theaterensembles zu sein? Inspirierend lautet meine Antwort. Denn um am Telefon Auskunft über die Stücke des marotte-Figurentheaters geben zu können, habe ich mir so viele Inszenierungen wie möglich angesehen. Während meiner Zeit in dieser Karlsruher Kulturinstitution lernte ich Claudia Olma kennen. Ihr «kleines Ich bin ich» hat mich vom ersten Moment angepackt und nicht mehr losgelassen. Darum stelle ich neugierigen Leserinnen und Lesern die spannende Theaterfrau im nachfolgenden Interview gerne vor.
 
Was hat Dich auf die Idee für die Inszenierung von Mira Lobes Kinderbuch gebracht?
Der Prozess der Selbstfindung interessiert mich. Wie lernt das kleine «Ich» zu sich selbst zu stehen? Diese Auseinandersetzung bleibt für jeden ein Leben lang aktuell.
 
Mit welchen Puppen arbeitest Du dabei?
Es handelt sich um grosse Klappmaulköpfe, welche durch ein Tuch mit dem Körper des Spielers verbunden sind. Wenn ich mich als Spieler nur mit dem Tuch bewege, entsteht die Figur, dann erst kommt der Puppenkopf dazu.
 
Für wen ist das Stück Deiner Meinung nach geeignet?
Durch die Gestaltung von Bühne und Figuren sicher für die Kleinen. Doch die Inszenierung als Ganzes spricht Grosse und Kleine an. Denn das Thema Selbstfindung bleibt präsent im Leben.
 
Was ist das Schönste für Dich, wenn Du mit dem kleinen «Ich» auf der Bühne stehst?
Wenn die Kraft der eigenen Fantasie das Publikum davon trägt, wenn sie sich verzaubern und von der Theatermagie erfassen lassen.

Der Wikipedia Beitrag über die österreichische Kinderbuchautorin liest sich ziemlich schlicht. 1913 in der niederschlesischen Handelsstadt Görlitz geboren, muss sie wegen ihrer jüdischen Herkunft neue Berufswege gehen, statt Germanistin zu werden, studierte sie an der Textil- und Modeschule. Sie wandert 1936 nach Palästina aus, heiratet vier Jahre später den deutschen Schauspieler und Regisseur Friedrich Lobe. 1944 kommt Tochter Claudia zur Welt, 1947 Sohn Reinhardt. Danach beginnt Mira Lobe zu schreiben. Ihr erstes Buch "Die Insel der Kinder" erscheint in hebräischer Sprache. Darin erschaffen elf Kinder auf einer einsamen Insel ihren eigenen Staat. In "Herr Hecht und der Geheimverein" thematisiert die Autorin Arbeitslosigkeit. Mira Lobe schreibt in den kommenden Jahren fleissig weiter, während die Familie je nach Engagement des Vaters zwischen Österreich und Deutschland hin- und herzieht. Mira Lobe verfasst mehr als 100 Bücher für Kinder, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden. "Der tiefere Sinn der Schreiberei für Kinder ist meiner Meinung nach der, dass sie zur Selbstbestimmung gebracht werden sollen", hat sie einmal erklärt. So setzt sie in der Themenwahl keine Grenzen und überlässt den Gefühlen für die eigene Menschlichkeit die Regie über die Realität.


 

"Auf der grossen Erde, unter der runden Sonne lebte ein kleines Tier. Freut sich, dass sich's freuen kann. Aber dann, aber dann..." Der Frosch stellt ihm die Frage aller Fragen: Wer bist du? Das Wesen im Gegenüber hat keine Antwort. Es begibt sich auf die Suche, hätte nichts dagegen wenn Nilpferd, Papagei oder Hund ihm weiterhelfen könnten. Doch erst die Wahrnehmung für sich selbst birgt die Antwort: "Ich bin ich." Was so schlicht daherkommt, beschäftigt längst nicht nur Kinder. Die Frage stellt sich in jedem Lebensabschnitt aufs Neue. Wie schön, dass uns die Geschichte so liebevoll mahnt, auf dieser Suche ganz bei uns selbst zu bleiben. Ein Gespräch mit Kindern, denen man das Buch gerade vorgelesen hat, könnte ungeahnt reiche Erkenntnisse für uns sogenannte Erwachsene bringen.