Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Diesen kuriosen Feiertag soll eine Gaye Anderson zwischen 1999 und 2004 erfunden haben. Ist diese Ungenauigkeit jetzt die Ehrung des Tages selbst, der ja dem Vergessen gewidmet sein soll, oder doch wenig vertrauenserweckend? Ich weiss es nicht (nein ich witzle jetzt nicht übers Vergessen). An dem Tag hängengeblieben bin ich, weil es mich manchmal schockiert, wie viel wir Menschen vergessen. Ich habe tatsächlich schon denselben Film zweimal aufgenommen. Dabei hatte ich ihn schon gesehen, was mir immerhin bei der zweiten Szene auffiel. Aber Namen, Gesichter, manchmal ganze Geschichten, die ich geschrieben habe. Ich weiss nicht, wie ich mit dem Wunsch nach gesicherter Erinnerung umgehen soll. Doch scheint mir die Kunst in der Reduktion zu liegen, in der Konzentration aufs Wesentliche. Ich arbeite gerade daran, diesen Aspekt in materialistischer Hinsicht im Rahmen eines Umzugs umzusetzen. Ich arbeite also an der Startphase, wenn ich es bis zur Fortsetzung schaffe, lasse ich sie es wissen...


 

Als Teenager war ich Fan von Julia Roberts und hab so ziemlich all ihre Filme gesehen. In "Entscheidung aus Liebe" unterrichtet der krebskranke Viktor sie als Gegenleistung für ihre Betreuung in Kunst. Sie lernt Gustav Klimts Bild "Der Kuss" kennen. Von da an habe ich für dieses Bild geschwärmt. Ich fand diese vergoldete Verschmelzung romantisch. Heute sind mir die realen Küsse wichtiger. Das gilt ebenso für jene auf die Wange wie für die wild leidenschaftlichen. Und ich würde mir wünschen, die Menschen würden das Leben zur Kunst machen. Wie schön wäre es, wenn Männer und Frauen sich täglich im Küssen übten. Zuneigung, Nähe, Intimität liessen die Welt in den schönsten Farben erstrahlen statt in theoretischer Version Museumswände zu schmücken.


 

Habe gerade eine erschreckende Kontaktanzeige gelesen. Ein Mann, der sich selbst mit vier Eigenschaftsworten beschreibt, stellt beinahe fünfmal mehr Anforderungen an eine mögliche Partnerin Das fängt beim Aussehen an und hört bei den Ansprüchen an die Einstellung der Partnerin nicht auf. Wenn ich meine Liebe betrachte, stelle ich fest: Das einzige, was diese manchmal kompliziert macht, ist das Leben, das vor der Haustür beginnt. Und genau dafür plädiere ich auch: Liebt Euch über die Vorurteile der Gesellschaft hinweg. Werden Aussehen, Berufsgattung, Geld oder Prestige zur Bedingung, verlieren sich Gefühle in theoretischen Gefilden. Was zählt ist die Einfachheit im Kern, aus dem alles wachsen kann.


 

Ins Leben gerufen wurde der "World-Listening Day" von der Non-Profit Organisation "The World Listening Project" und der "Midwest Society for Accoustic Ecology" 2010. Beide Organisationen haben sich die Erforschung und das Verständnis der Natur durch Zuhören und Erstellen von Aussenaufnahmen auf die Fahnen geschrieben - eine Art Hörkarte des Planeten. Ich wäre manchmal froh, es gäbe weniger zu hören. Radio, Fernseher, Verkehr, Handys und sprechende Menschen. Manchmal belausche ich die Gespräche von Fremden. Mit erschreckenden Ergebnissen. Da gab es schon welche, die in einer Unterhaltung drei mal den gleichen Text verwendet haben (kleine Abweichungen wie ein zusätzliches Mhhhm betrachte ich als tolerierbar). Andere haben immer wieder denselben Abschnitt repetiert, bis die scheinbar passende Reaktion zum nächsten Abschnitt überleitete. Zuhören mit dem Wunsch zu verstehen, scheint mir darum eine Handlung, welche man viel häufiger huldigen sollte als nur an einem Tag.