Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Wut erscheint mir persönlich oft ein verpöntes Gefühl. Vor allem wenn durch sie geschimpft, geflucht oder, Gott bewahre, sogar Geschirr zerschlagen wird. Marie, die Heldin in Lukas Hartmanns Geschichte, wird oft wütend. Wenn ihr kleiner Bruder sie ärgert, wenn die Eltern ihn verteidigen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt. Und dass sie nicht mit ihren Freunden ins Sommerlager soll, weil die Eltern schon Urlaub gebucht haben, scheint ihr der Gipfel. Als Mutter und Vater schlafen, klettert sie aus dem Fenster um am nächsten Morgen doch dabei zu sein. Doch es kommt anders. Auf dem Bahnhof lernt Marie zwei Kater aus GloriaFurias Hofstaat kennen. Nach einer Reise durchs Labyrinth landet sie im Schloss der Herrscherin. Sie will lernen aus Wut Feuerfunken zu machen - und erfährt so viel mehr. Als Erwachsene würde ich sagen: Marie lernt ihre Wut als Kraftquelle nutzen. Als Kind wirken das Schloss, ein Labyrinth dessen Hecken davonrennen und die verwandelbare Laubsuppe. Lukas Hartmann hat eine Welt erschaffen, deren Figuren wunderbar menschlich sind. Hier wird auch das verschmuste Plüschnilpferd zum Retter. "GloriaFuria und die schlimme Marie" ist ein Buch, das ich jedem empfehlen würde - egal welchen Alters.


 

Ich habe Henriette Wich kennengelernt, als ich vor mehr als drei Jahren über die Bibliothek Beinwil am See geschrieben habe. Damals dachte ich: «Eine angenehme Person.» Als ich anfing mich mit Jugendbuchreihen rund ums Detektivische zu befassen, habe ich mich gefreut, auf einen mir bekannten Namen zu stossen. Und noch mehr freute ich mich über das spontane «Ja» auf meine Interviewanfrage. Spannendes über die drei !!! gibt es untenstehend. Doch ein Blick auf www.henriette-wich.de der Website der Autorin lohnt sich. Denn vielseitig wäre für die Bandbreite ihrer Werke eine wahre Untertreibung.


Wie ist es zu den drei !!! gekommen?
Die Idee zu den drei !!! stammt vom Kosmos Verlag, bei dem auch „Die drei ???“ erscheinen. Denn Mädchen sind mindestens genauso clevere Detektivinnen wie Jungen: !!! So entstand im Verlag der Reihenname. Kosmos hat zunächst Maja von Vogel und dann mich angesprochen, ob wir Lust hätten, für eine neue Detektivreihe zu schreiben. Wir beide haben uns sehr gefreut und zugesagt. Maja hat den ersten Band der Reihe geschrieben, ich den zweiten. Bei den ersten 20 Bänden haben wir uns als Autorinnen abgewechselt. Später kamen dann weitere Autorinnen hinzu.


Was ist für Sie das Wichtigste an dieser Buchreihe?
Das Wichtigste ist für mich bei den drei !!! die tolle Mischung aus Krimi und Freundschaft. So unterschiedlich Kim, Franzi und Marie auch sind, sie halten zusammen, stärken und helfen sich gegenseitig.


Was soll den Leserinnen und allenfalls den Lesern im Gedächtnis bleiben?
Dass es immer mal wieder knifflige Probleme im Leben zu lösen gibt. Und dass es sich lohnt, sich ihnen gemeinsam mit seinen Freundinnen und Freunden zu stellen.


Schreiben Sie zielgruppenorientiert? Und wenn ja, wen sehen Sie als Zielgruppe?
Ich versetze mich als Autorin in die Gefühlswelt der Zehnjährigen. Dabei erinnere ich mich an meine eigene Kindheit, und ich habe viel Kontakt zu Kindern, privat und bei meinen Lesungen.


Es gibt im Buch immer wieder sogenannte typisch teenagerinnengleiche Passagen wie "ich sollte mit Plätzchenessen aufhören, ich bin sowieso schon zu dick", sehr genaue Outfitbeschreibungen oder auch das Ausleben des Liebeskummers. Ich mich, ob sich die Girls durch das Lesen in einem Buch in einem Verhalten bestätigt sehen, das für sie nicht nur positiv enden kann. Wie erleben Sie als Autorin das beim Schreiben?
Der eigene Körper, Kleidung und Liebeskummer sind wichtige Themen für Mädchen, die bewusst in die drei !!! mit einfließen. Es gibt aber immer auch ein Korrektiv in den Büchern, wenn zum Beispiel Franzi und Marie Kim versichern, dass sie toll aussieht, genauso wie sie ist. Im Band „Betrug beim Casting“ werden die Schattenseiten dieser Fernsehformate offen angesprochen. Und die bodenständige Franzi macht Marie darauf aufmerksam, wenn Marie gerade zu sehr mit ihrem Äusseren beschäftigt ist.


 

Als ich zum ersten Mal von den "drei !!!" gehört habe, fand ich die Idee cool, habe mich aber nicht weiter damit befasst. Im Zuge meiner Recherchen bin ich dann auf Henriette Wich gestossen, die ich an einer Lesung kennengelernt habe. Die Geschichte des Buches ist eigentlich schnell erzählt. Über Kontakte in einem Chatroom mit späteren Treffen klärt eine Diebesbande ab, wann die Eltern eines Teenies ausser Haus sind. Dann wird ganz strukturiert die Wohnung leergeräumt. Franzi, Kim und Marie klären den Fall indem sie Gegebenheiten aus dem eigenen Umfeld mit detektivischen Recherchen bis zum Undercover-Einsatz klären. Gewöhnungsbedürftig sind für mich Sätze wie: "Jetzt muss ich aber aufhören, ich bin sowieso schon zu dick." im Zusammenhang mit gemeinsamen Plätzchen naschen. Oder Franzis detaillierte Outfit-Beschreibung als es um das Treffen mit dem Hauptverdächtigen geht. Das Buch selbst ist flüssig zu lesen und ich kann mir gut vorstellen, das es den Girls gefällt. Vielleicht unterhalte ich mich mal mit meiner Nichte darüber. Was es mit den sogenannt typisch weiblichen Mustern auf sich hat, werde ich die Autorin selbst fragen - ich bin jetzt schon neugierig.