Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Ich hatte den Namen der Autorin zuvor nie gehört. Meine Recherchen im Internet förderten Unterschiedliches zutage. In Australien als Helen Lyndon Goff geboren, sei sie die älteste von drei Töchtern gewesen. Der Tod des Vaters habe die Familie in finanziellen Nöten zurückgelassen, weshalb sie mit 17 Jahren auszog, um als Schauspielerin zu arbeiten. In England veröffentlichte sie unter dem Namen ihres Vaters erste Arbeiten. Gegenüber Medien und Öffentlichkeit habe sie ihre eigene Geschichte umerfunden, eine Liebesbeziehung zu einer Frau gepflegt. Ihren Adoptivsohn habe sie ins Unglück gestürzt, weil sie ihm seine wahre Herkunft verschwieg. Ich habe keine Ahnung, was davon stimmt. Wenn ich das Buch als Grundlage meines Gefühls nehme, könnte ich mir vorstellen, sie war eine Frau auf der Suche. Sie wünschte sich ihre Eigenheiten leben zu können doch gleichzeitig gehalten zu sein. Und vielleicht hat sie durch die Grenzen der Gesellschaft falsche Entscheidungen getroffen. Meinen Respekt hat sie.


 

Beim Namen "Mary Poppins" fällt den meisten Menschen, mir ging es übrigens nicht anders, der Walt-Disney Musical Film aus dem Jahr 1964 ein. Julie Andrews tanzte meist in der Weihnachtszeit über unseren Fernsehschirm. Ich mochte die wunderschönen Röcke und Gesang faszinierte mich schon damals. Doch wenn ich meine Erinnerungen an den Film mit dem Lesegefühl des Buches vergleiche, steht das Buch an erster Stelle. Sie erfüllt zwar grundsätzlich die Aufgabe des Kindermädchens für Michael, Jane und die jüngeren Zwillinge. Doch es ist eher so, als würde sie den Kindern beibringen, dass die Geschehnisse der Welt viel komplexer sind, als Erwachsene zu erklären bereit sind. Da hat auch eine tanzende Kuh Platz. Oder die Vogelfrau, die Respekt verdient, ohne dass die Kinder ihr Handeln begreifen. Der Besuch bei Mr. Schopf verschafft der Fantasie ihren Platz. Mary Poppins ist äusserst eigenwillig. Es macht Spass zu lesen, wie sie tut, was ihr gefällt, egal wer über sie den Kopf schütteln mag. Darum würde ich Mary Poppins auch mit Teenagerinnen lesen. Wer weiss, wie viel Zauberkraft da freigesetzt würde.


 

Der InfoMonat Brustkrebs brachte mich auf die Idee, nach einem Kinderbuch zu suchen, das ich auf meiner Website vorstellen könnte. Der Titel "Manchmal ist Mama müde" hat mich sehr angesprochen und mein Instinkt hat mich nicht getrogen. Das Buch ist sehr ehrlich und ich war gespannt von Anne-Christine Loschnigg-Barmann und Judith Alder zu erfahren, wie es entstanden ist. Lesen Sie, wie pragmatisch Mut manchmal wirken kann und welch eindrückliche Ergebnisse er nach sich zieht.

Wie sind Sie zum Schreiben des Buches gekommen?
Judith Alder: Ich arbeitete damals als Leitende Psychologin am Frauenspital in Basel und habe auch junge Frauen mit Brustkrebs behandelt, die zum Teil kleine Kinder haben. Mir ist aufgefallen, dass die Mütter jeweils eine recht umfängliche Betreuung im Zusammenhang mit ihrer Krankheit erhalten. Die Kinder jedoch, die ja ebenfalls sehr betroffen und häufig überfordert sind von der Situation, informierte man weniger. Ich hatte daher die Idee, ein Kinderbuch zu erstellen, das Buben und Mädchen die Situation auf kindgerechte, liebevolle Weise vermittelt und auch ihre Ängste und Sorgen thematisiert. Wichtig war dabei, den Eltern Worte und Bilder für das Unaussprechbare zu geben - eine schwere Krankheit, die die Familie existentiell bedroht. Über das Buch sollten die Eltern einen Weg finden, ihre Kinder zu informieren, aber auch lösungsorientierte Vorschläge aufzuzeigen, deren Umsetzung zur Bewältigung der Situation beitragen könnte.
Anne-Christine Loschnigg: Da Judith wusste, dass ich mich für ein derartiges Projekt interessiere, haben wir uns zusammengesetzt und ein Konzept erstellt, überlegt, welche Themen und Fragen die Kinder interessieren und wie wir das am besten in Text und Bildern umsetzen. Wir haben uns dafür entschieden, die kleine Hauptdarstellerin Lulu zu Worte kommen zu lassen.

Wie sind Texte und Bilder zusammengewachsen?
Anne-Christine Loschnigg: Nachdem das Konzept stand, habe ich den Text erstellt und dann die Bilder dazu gemalt. Die Zeichnungen sollten schlicht und liebevoll gestaltet werden. Das Kind soll in diesem Buch im Zentrum stehen.

Haben Sie sich bewusst für ein Mädchen als Protagonistin entschieden?
Judith Alder: Die Entscheidung für die Figur Lulu war eigentlich ein Zufall, es hätte ebenso gut ein Junge sein können, der über die Situation mit seiner Brustkrebskranken Mama erzählt.

Denken Sie ein Junge als Hauptfigur hätte die Entwicklung der Geschichte verändert?
Judith Alder: Nein, das denke ich nicht. Kinder in diesem Alter sind in der Regel geschlechtsunabhängig von einer elterlichen Krebserkrankung emotional betroffen und alle - ob Mädchen oder Buben - können die gleichen Infos und Hinweise auf Bewältigungsmöglichkeiten erhalten. Lulu ist mit ihrer phantasievollen und abenteuerlichen Seite geschlechtsneutral.

Was ist für Sie das Wichtigste an dem Buch, was möchten Sie vermitteln?
Anne-Christine Loschnigg: Wir möchten Eltern und Betreuungspersonen mit diesem Buch die Gelegenheit geben, dem betroffenen Kind zu erklären, was mit Mama "los ist". Beim Vorlesen soll eine liebevolle, einfühlsame Atmosphäre geschaffen werden, in der sich das Kind geborgen und verstanden fühlt. Es soll dazu anregen, Fragen zu beantworten aber auch Sorgen und Ängste des Kindes zu besprechen. Dabei sollen auch Vorschläge gemacht werden, wie das Kind mit der Situation umgehen kann. Wichtig war es uns auch zu betonen, dass die Krankheit und alle damit verbundenen Schwierigkeiten nichts an der Liebe zum Kind ändern wird und dass dem Kind keine Schuld an der Krankheit zufällt.

Wie schwer ist es emotional ein solches Buch zu schreiben?
Anne-Christine Loschnigg: Es war tatsächlich nicht ganz leicht, das Thema umzusetzen, ist es doch ein sehr trauriges Ereignis, wenn junge Mütter an Krebs erkranken. Ich musste beim Zeichnen immer wieder ein Tränlein vergiessen. Mir ist das Thema ganz besonders nahe gegangen, weil auch meine Mama wegen eines Krebsleidens lange Zeit "müde" war. Obschon ich damals bereits erwachsen war, hat mich die Krankheit meiner Mutter sehr belastet und ich kann mir gut vorstellen, dass Kinder mit einer derartigen Situation überfordert sind.
Judith Alder: Wir haben sehr viele berührende Rückmeldungen zum Buch erhalten. Zahlreiche Mütter haben geschildert, wie ihnen das Buch geholfen hat, das Thema ihren Kindern auf eine liebevolle Weise näherzubringen. Das hat uns sehr gefreut. Wir sind überzeugt, dass das Buch "Manchmal ist Mama müde" ein wertvoller Beitrag zum Thema Brustkrebs ist, bei dem die ganze Familie einbezogen wird.