Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Stellen Sie sich vor, Sie begegnen beim Einkaufen einer guten Freundin, die Sie lange nicht gesehen haben. Kaum haben sie angefangen sich zu unterhalten, brüllt Fritz los. Ihre Freundin entschuldigend: "Er fremdet grad e chli." "Aber er kennt mich doch?" "Er het dich halt scho lang nümme gseh. Gib em feuf Minute und alles chunnt guet." Sie hatte recht.

Wieder zu Hause, zurück am Schreibtisch vor dem PC dachte ich über meinen Home-Office-Koller nach. ich kenne mich seit 43 Jahren und fühle mich doch manchmal in meiner eigenen Gesellschaft fremd. Ich werde ab jetzt einfach auf den Rat meiner erschriebenen Freundin hören: "Gib ere feuf Minute und alles chunnt guet."


 

Seit ich unterwegs bin, lese ich wieder mehr - Bücher wie Zeitungen. Diese Woche ist mir die Kolumne "Ratatouille" auf der letzten Seite des Seetaler Boten begegnet. Jonathan Furrer schreibt unter dem Titel "Frau sein". Er beginnt mit der Frage: "Wie häufig haben Sie schon von Raserinnen, Räuberinnen, Vandalinnen oder Vergewaltigerinnen gehört?" Er geht dieser Frage anhand von Kriminalstatistiken nach. Männer seien darin durchwegs häufiger vertreten. Grund dafür sei nicht eine moralische Überlegenheit der Frau, sondern eine andere Sozialisierung - mit mehr Verantwortung und Gemeinschaftssinn.

Jetzt beginnt die Warnblinkanlage in meinem Kopf verrückt zu spielen. Nicht weil die Inhalte dieser beiden Begriffe negativ sind. Aber sie setzen Grenzen - unausgesprochene wie explizite. Meinungsverschiedenheiten können den Familienfrieden gefährden, also behält Frau ihre Ansichten für sich. Klettert das Mädchen auf einen Baum, kann das Kleid kaputtgehen oder sie fällt herunter. Also bleibt es auf dem Boden und trägt Sorge. Bei diesem Ausdruck spüre ich die Schwere der Gedanken. In Pfützen springen, seiner Wut auch mal lautstark Ausdruck verleihen, Taten einfordern und falls nichts passiert Konsequenzen ziehen. Diesen Eigenschaften setzt die aktuelle Sozialisierung der Frau Grenzen. Und wer diese nicht einhält, bekommt dies von Frauen wie Männern schmerzlich zu spüren.

Liebe Frauen, liebe Männer, lasst uns diese Grenzen sprengen! Gleichberechtigung heisst, jeder Mensch trifft eigene Entscheidungen. Die liebevolle Mutter repariert fluchend das Auto. Der Bodybuilder führt das Geschäft für Baby-Zubehör. Und wir? Wir freuen uns über die Vielfalt einer neuen Gesellschaft!


 

In einer Woche ist Valentinstag. Ein Ereignis, das entgegen vieler Vorurteile, nicht von amerikanischen Geschäftsleuten erschaffen wurde. Nein es handelt sich um das Fest des heiligen Valentinus, das 1969 aus dem römischen Kalender gestrichen wurde. Bis dahin hatte sich aber bereits ein britischer Verleger das Werk "The Young Man's Valentine Writer" einfallen lassen. Darin zu finden? Verse für junge Liebhaber ohne Dichtertalent. Also ein Cyrano de Bergerac in Buchform? Damit kommen wir zu meiner Frage: Wie viele Worte braucht eine Liebeserklärung? Ja, ich bin Autorin und schreibe gerne. Aber ich möchte alle Schreibängstlichen und Stiftescheuenden stärken. Zwei, drei oder auch ein Satz genügen völlig. "Ich liebe Dich." "Du machst mich glücklich." "Schön, dass ich Dich kennen darf." Sich für eine Hand voll Worte zu entscheiden, braucht Mut. Aber ich glaube fest an die Magie geschriebener Worte - und das weit jenseits vom Papier...