Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Ich vermisse Menschen. Und die neuen Corona-Massnahmen machen es mir nicht leichter, dies zu ändern. Als ich klein war, pflegten meine Eltern in solchen Momenten zu sagen: "Schreib doch einen Brief." Wissen Sie, mit welchen zwei Sätzen solche Briefe begannen? "Liebe Luzia, wie geht es Dir? Mir geht es gut." Meist folgte die Beschreibung des jeweiligen Tagesablaufes. "Nicht gerade spektakulär", denke ich im Rückblick. Im Gegenzug weiss ich aber noch, wie glücklich ich war, wenn im Briefkasten ein Kuvert lag, das meinen Namen trug. Vielleicht können Sie jemandem eine Freude machen? Probieren Sie es aus, Schreiben tut gut! Schicken Sie ein Kuvert auf die Reise...


 

Ganz leise bewegte er sich mit seinem Rollator auf die Kleiderstange zu. Ich stand am entgegengesetzten Ende des Gabenzauns bei der katholischen Stadtpfarrkirche in Baden. Er warf mir scheue Blicke zu. «Es ist eine schwierige Zeit für Menschen alleine.» Sein erster Satz schien mehr Frage als Feststellung. Ich nickte. «Ja manchmal braucht man ein bisschen Unterstützung.» Er traute sich, griff nach einer Wolljacke und hielt sie hoch. «Die ist zu gross für mich oder?» «Nein, die würde gut passen.» «Aber ist für Zweimeter-Mann?» Ich muss lachen. «Glauben Sie mir, mein ist zwei Meter gross. Er käme gar nicht in beide Ärmel. Der ältere Herr bleibt unschlüssig. «Darf ich näher treten und Ihnen den richtigen Sitz zeigen?» Wir tragen beide unsere Masken sorgfältig über Mund und Nase. Er nickt. Er strahlt, als er mit meiner Hilfe die richtige Passform der Jacke realisiert. Ich trete zurück. Er faltet seine Errungenschaft sorgfältig bevor er sie einpackt. Wir lächeln uns an, ich winke und gehe weiter. Dankend gedenke ich schweigend.

Mehr zum Projekt «Gabenzaun» findet sich auf www.pastoralraum-aargauer-limmattal.ch/baden/aktuell/informationen/neu-in-baden-gabenzaun


 

16 Finnen oder beziehungsweise und Finninnen leben durchschnittlich auf einem Quadratkilometer. Das führt manchmal zur Einsamkeit. Aber es bietet auch Raum für Ideen - wie die Weltmeisterschaft des Schweigens. Wie solche finnischen Projekte Menschen verändern, davon schreibt Christian Gasser in "Rakkaus!". Anders als in "Lempi" spielt der Roman in der Gegenwart. Der Journalist Frank reist für ein Reportage nach Finnland, verliebt sich in das Land und kurz darauf in Kaisa. Er testet das Leben im Norden und lernt wie viele Worte das Schweigen birgt.

Ein Buch, das mir gerade sehr entspricht, weil ich in dieser turbulenten Zeit oft Ruhe vermisse. Dabei meine ich nicht das konzentrierte Schweigen, wenn beispielsweise im Zug alle auf ihre Handys schauen, weil die Gesichtsbeschränkung durch die Masken die Reisenden verunsichert. Ich meine Ruhe, die man atmen kann. Vor diesem Hintergrund vermisse ich Finnland sehr.  Hoffentlich auf bald...