Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Ich telefoniere gerne und das schon immer. Ich kann stundenlang mit Menschen sprechen, selbst wenn ich sie ein paar Stunden zuvor noch persönlich gesehen habe. In den vergangenen Wochen habe ich von diesem Talent profitiert. Denn zu Hause bleiben, Homeoffice machen, bedeutet die Zahl der Kontakte sinkt. Viele "Nettigkeiten" des Alltags entfallen. "Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag", vom Buschauffeur an der Endhaltestelle gesprochen. Wer ist sich bewusst, wie wertvoll dieser eine Satz ist? Allein in den eigenen vier Wänden fühlt man sich schnell unsichtbar. Meine Massnahme dagegen sind "Telefondates". Ich vereinbare mit Freunden Tag und Uhrzeit für ein Gespräch. Damit stelle ich sicher, dass ich anwesend bin - in jeder Hinsicht. Ich checke nicht parallel Mails, ich räume nicht die Küche auf oder lege Wäsche zusammen. Ich setze mich auf die Couch und höre zu, gebe Antwort, werde unzählige Worte los. Wenn ich mich verabschiede, habe ich neue Energie für den Alltag. Die Begegnung hat mich inspiriert - durchs Telefon und ich bin so glücklich, dass es diese Maschine im 18 Jahrhundert für mich erfunden worden ist!


 

 

"Können, mögen, müssen, dürfen, wollen, sollen" - ich weiss nicht mehr, wie oft wir die Modalverben im immergleichen Rhythmus wiederholt haben. Sie hingen auf weisse A5-Blätter gemalt über der Tür unseres Klassenzimmers an der Bezirksschule. Vergangene Woche habe ich selbst Wissen vermittelt. Die Schulen blieben auf Geheiss des Bundesrates geschlossen. Meine Neffen lernten zu Hause. Unter anderem übte mit ihnen die richtige Aussprache in Englisch und Französisch. Im Deutsch war Textverständnis gefragt, in Mathe das Umrechnen von Längenmassen. Ich stellte fest, wie viel ich aus meiner eigenen Schulzeit behalten habe und bin meinen Lehrerinnen und Lehrern dankbar. Nur sehr wenige klebten stoisch an einem geschaffenen Materialien. Stetig war die Veränderung. Und als wir uns im Deutschunterricht nicht für einzelne Szenen aus Max Frischs "Andorra" entscheiden konnten, inszenierten wir einfach das ganze Stück. Wir schrieben Aufsätze mit Musik, nahmen an Wohltätigkeitsmärschen teil. Es ist ein Glück, dass mir diese Menschen die Liebe zum Lernen vermittelt haben.


 

Haben Sie schon mal einen Kugelschreiber belauscht? Oder einen Bleistift? Ich liebe es. Während des Kurses "Ich schreibe über mich" in Gontenschwil hatte ich oft die Gelegenheit dazu. Ich gab Themen vor, die Teilnehmenden experimentierten. Die Stifte übernahmen die Führung. Ein Glücksmoment in zweierlei Hinsicht. Der Klang der Schreibwerkzeuge ist Inspiration pur. Die Worte auf meinem eigenen Block formten nie Gedachtes. Und wenn ich den Blick hob, sah, wie es den Teilnehmenden ebenso erging, war ich wunschlos glücklich.