Schön, dass Sie da sind. Meine Worte und ich freuen uns, von Ihnen gelesen zu werden. Ich bin Journalistin, Kommunikationsbeobachterin auf allen Ebenen und Literaturliebhaberin. Sie finden hier Workshopangebote und Texte, die inspirieren wollen. Aber auch kleine Sprachjuwelen, die mir begegnet sind, teile ich mit Ihnen. Lesen Sie einfach weiter…


 

Gestern war ich beim Einkaufen in der Migros. Ich schlängelte vorsichtig zwischen den Aktionen hin und her, versuchte vorausschauend Distanzen einzuhalten. Als ich aus einem Zwischengang trat, konnte ich knapp bremsen. Eine Frau querte strammen Schrittes meinen Weg. Doch eine Unfallvermeidungsleistung war ihr nicht entgangen. Sie wandte den Kopf: "Tut mir leid, ich habe sie nicht gesehen." "Kein Problem, nichts passiert." Wir lächelten uns an, gingen zufrieden unserer Wege. Das Glück weniger Worte...

PS: Vielleicht wird Wunschdenken dereinst Wirklichkeit


 

Ich liebe Bücher! Doch mit zunehmendem Alter beobachte ich eine unangenehme Macke an mir: Ich überlege erst, was mir ein Buch nützt, bevor ich es lese. Abhilfe schaffte ein Deal mit meinem Neffen Lukas. Er liest gerade Harry Potter und der Orden des Phönix mit mehr als 1000 Seiten. Auf meinem Stapel lag schon eine Weile "Born to run" die Autobiographie von Bruce Springsteen. Sie umfasst gut 700 Seiten. Ich tat mich schwer mit dem Buch, vor allem weil er seine Jugendjahre unglaublich detailliert beschreibt. Lukas und ich vereinbarten uns gegenseitig nach dem Stand unserer gelesenen Seiten zu fragen. Ein guter Grund, sich durchzubeissen. Und das Buch wurde immer besser, je näher sich der "Boss" an die Gegenwart heranschrieb. Vielleicht weil die Ereignisse, die er als Inspiration nutzte, greifbarer wurden. Als ich das Buch zugeschlagen habe, war ich dankbar. Lesen um des Lesens willen, ist völlig ausreichend. Ein Glück, dass es Bücher gibt!


 

Marlies hatte sich ein Parfum gekauft. Sie konnte es kaum fassen. Ihr erstes Parfum. Was hatte sie in dem Geschäft gestaunt – ganze Regale waren voll mit glitzernden Flaschen gewesen. Rot, grün, pink, gold und silbern – irgendwann hatte eine Verkäuferin sie angesprochen. Die Frau sah seltsam aus. Sie trug bunte Ringelsocken zu ihren Stöckelschuhen. Aber sie hatte gelächelt. «Kann ich Ihnen helfen?» «Ich suche ein Parfum.» «Für Sie oder für jemand anderen?» «Für mich», hatte sie geantwortet und sich unglaublich dekadent gefühlt. «Haben Sie eine Vorliebe?» Jetzt schüttelte Marlies den Kopf. «Nein, ich habe noch nie Parfum getragen.» Wenn sie erstaunt war, so hatte sich die Verkäuferin nichts anmerken lassen. «Dann probieren wir mal zwei extreme Düfte, damit wir ihre Vorlieben etwas eingrenzen können.» Marlies wusste noch, das auf dem ersten Flakon «Chanel Nr. 5» stand. Dann hatte sie den Überblick verloren – bis zu ihrem Duft: «L’eau d’Issey». Das lange, schlanke Glas hatte seine eigene Architektur. «Das ist ein Klassiker. Aber nicht ganz günstig», hatte die Verkäuferin gesagt. «Das macht nichts.» Inzwischen war Marlies zu Hause angekommen. Sie ging die Treppe hoch und hatte keine Angst die Tür zu öffnen. Sie ging hinein, hängte den Mantel auf und packte ihr Parfum aus. Walter war tot. Den Flakon in der Hand ging Marlies von Zimmer zu Zimmer und sprühte etwas von der kostbaren Flüssigkeit in den Raum. Sie schnupperte. «Mein Zuhause», dachte sie und seufzte erleichtert auf.