Kürzlich war ich am Umtrunk einer Bibliothek. Den Temperaturen entsprechend gab es eine fruchtige, alkoholfreie Bowle und Gespräche über Ferienlektüre. Ich selbst landete in diesem Zusammenhang schnell bei den beiden ersten Büchern von Caroline Wahl. In "22 Bahnen" und "Windstärke 17" erzählen zwei Schwestern derselben Familie ihre Geschichte. Die ältere Tilda weiss theoretisch, wie sie durchs Leben mit der jüngeren Ida und der alkoholkranken Mutter kommen könnte. Doch mit Viktor kehrt die Vergangenheit zurück und Gefühle brauchen mehr Platz als geplant. "Windstärke 17" beginnt eigentlich mit dem Tod der Mutter und Idas Zwiegespaltenheit. Die plötzlich mögliche Freiheit, den eigenen Wünschen zu folgen kollidiert mit dem Schmerz über eine Lebensgeschichte, wie sie nie hätte sein sollen. In den offziellen Buchkritiken hiess es immer mal wieder, Caroline Wahl hätte es sich mit "Windstärke 17 zu einfach gemacht. Aber ich finde, das zwei verschiedene Erlebniswelten einer Existenz unglaublich schwer zu schildern sind. Beide Bücher zeichnen sich durch ihre Alltagssprache aus. Die Nähe, die daraus entsteht, ist aussergewöhnlich. Wer "22 Bahnen" und "Windstärke 17" liest, wird ausserdem wissen, wie ich auf den Titel dieses Beitrages gekommen bin.



