tales. Seetaler Poesiesommer 2022 

Literarisches Festival der leisen Töne

 

Das Erleben des poetischen Moments bildet den Angelpunkt des Seetaler Poesiesommers. Das Festival der leisen Töne lebt auch in der 23. Ausgabe von seiner Spontaneität und regt an, dass sich Kultur im lokalen und (inter-)nationalen Austausch mitteile, unter Bäumen und im Salon, im Atelier oder im Ried, auf Burgen und im Ruderboot, stets mit Blick auch auf Entlegenes, mit 50 Anlässen von Juli bis November.

 

Di 9.8. Beinwil am See, 17 Uhr 

«…Brich eine Rose dir, / Und denk’, es sei die Blume / Der letzte Gruss von mir», schrieb der Seetaler Dichter Peter Halter in einem berührenden Gedicht. Es bildet eine der Köstlichkeiten, über die Beat Vögele und Sandra Löwe (Basel) an diesem «Hausbesuch» im Antiquariat literarisch-musikalisch improvisieren. Graziella Jämsä (Schongau) betreibt dazu eine Schreibwerkstatt auf Zeit. Inspirations momente schenkten ihr in der Vorbereitung Zeichnungen des verstorbenen Künstlers Hans Härri. Ort: Antiquariat Johannes Eichenberger, Aarauerstrasse 12; vis-à-vis Bahnhof.

 

Do 11.8. Hitzkirch, Ritterkommende, Gemeindebibliothek, 15 Uhr 

«Eis u eis git grüen / Grüen u blau git sibezäh / Sibezäh mau drü / Git für hütt itz einisch violett / Acht mau acht isch blau / Blau u rot git achtezwänzg / Achtezwänzg mau drü / Git syg's sie's wöu haut gybeligäub …» Der Berner Troubadour Markus Traber spielte mit Worten und der Gitarre. In der Bio-grafie über ihren Mann, der nicht nur Chansonnier, Buchhändler, Verleger und Autor, sondern auch
ein passionierter Fotograf und Kleinplastiker war, beschreibt die Autorin Barbara Traber (Worb) ein intensives Künstlerleben «ohne Rücksicht auf Verluste». 

 

Sa 13.8. Hochdorf, Salon de musique, 17 Uhr

«­… die pausen im lied…»: Eine Annäherung an die Weisse Wüste, dargeboten mit Gedichten und Photo-graphien von Ana und Alois Lang (Uezwil). Hansruedi Zeder (Hochdorf) kreiert zu dieser Cabinet-veranstaltung mit beschränkter Platzzahl eine musikalische Fatamorgana mit einem ganz eigenen Resonanzraum. Anmeldung erforderlich. Adresse: c/o Hansruedi und Bea Zeder Lehmann, Urswilstr. 29.

 

So 14.8. Beinwil am See, 19 Uhr

in wellen dunkler zuversicht heisst der neue Gedichtband von Joanna Lisiak (Linn). Er handelt vom Abschiednehmen und der Vergewisserung im «zwischen / dazwischen». Die Lyrikerin bringt an der traditionellen Ruderboot-Lesung auf dem Hallwilersee Texte zu Gehör, die gleichsam «in strudeln» auf dem Wasser nachklingen, die durchlässig sind wie «händedrucke umarmungen wo wir / uns für sekunden verorten bevor wir / uns wieder verlieren».    

 

Mi 17.8. Hochdorf, Regionalbibliothek, 19 Uhr

In die Haut der Künstlerin Amanda Tröndle-Engel versetzte sich die Autorin Mara Meier (Solothurn) in ihrem Romanerstling Im Sommer sind die Schatten blau. Er setzt ein mit der Pariser Weltausstellung von 1900, wo neben Cuno Amiet auch hervorragende Malerinnen wie Marguerite Burnat-Provins aus dem Wallis oder die in Baden beigesetzte Louise-Cathérine Breslau ausstellten. Wie diese lebte Amanda Tröndle-Engel ihre Berufung als «Malerweib» – aller gesellschaftlichen Widerstände zum Trotz. Im zweiten Teil der Veranstaltung rekapituliert Marianne Erne (Staufen/Baldegg) die Vollmond-Schreibnacht auf Schloss Heidegg und Brigitte Simma (Zürich) liest aus einem Text, den sie bei diesem Anlass im Juli erarbeitet hat.

 

Fr 19.8. Celerina, 14 Uhr 

Ein Haus zum «Singen» bringen – dazu dient das Sgraffito. Die seit der Renaissance gepflegte Dekorati-onstechnik zählt zu den Lebendigen Traditionen der Schweiz. Im Engadin tragen zahlreiche Häuserfas-saden die künstlerische Handschrift von Giuliano Pedretti. Der 2012 verstorbene Künstler lernte diese für die architektonische Kultur Graubündens charakteristische Technik bei Jachen Ulrich Könz, dem «Restaurator» von Guarda. Ein Rundgang in Celerina mit Ladina Jaecklin-Pedretti führt markante Beispiele vor. – Treffpunkt: Cresta Palace, 14 Uhr.

 

Sa 27.8. Anghiari (Italien), Castello, 17 Uhr 

«Forse inganno è il tuo viso»: Nach einem poetischen Text von Vito Taverna haben Sylvano Bussotti und Giampiero Taverna eine Komposition erschaffen, die von David Cavatorta für Stimme und Klavier umgearbeitet wurde. Zu hören sind sie als Uraufführung am XXXII convegno die POESIE NEL CASSETTO auf Schloss Anghiari bei Arezzo. Zudem gelangen die im Rahmen des Seetaler Poesiesommers entstandenen Kompositionen Turner Sonatina und Melencolia nach Dürer von Stefano Ghisleri sowie dessen Liriche notturne auf Gedichte von Leonardo Tonini zur Aufführung. Stücke von Verdi, Händel und Puccini runden das vielseitige Programm ab.